Brief des Kurators an die Gemeinde

(als Datei zum herunterladen)

Tullnerbach, 14. Mai 2012

Liebes Gemeindemitglied,

.Bild "Martin-Klonk-Irland-klein.jpg".das Wichtige passiert oft in der Stille oder gar unbemerkt. Was laut ausposaunt wird, entbehrt häufig eines tiefer gehenden Wirkens. In unserer Gemeinde hat es einen Wandel gegeben, den sicher viele nicht wirklich wahrgenommen haben: Die Menschen, die sich um das Funktionieren unserer Gemeinde kümmern, die PresbyterInnen, sind nun – bis auf zwei Ausnahmen – ganz Neue geworden. Auch wenn die Bezeichnung Presbyterium (griech. Rat der Ältesten) etwas anderes nahe legt, so sind jetzt zu einem guten Teil diejenigen am Ruder, die vergleichsweise nur wenige Jahre zur Gemeinde gehören.

An dieser Stelle möchte ich den acht ehem. PresbyterInnen und unserem Pfarrer, Dietmar Kreuz, für ihr Engagement und ihre Beharrlichkeit danken, die diese Gemeinde in den vergangenen Jahren lebendig gehalten und zum Teil noch lebendiger gemacht hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit! Und sieht man sich an, was alles in diesen Jahren möglich gewesen ist (neuer Gemeindebrief, Gemeindewochenende, Kinderarbeit, div. Bibelarbeiten, Tauferinnerungsfest – um nur ein paar Beispiele zu nennen), dann dürfen Sie mächtig stolz auf sich sein.
Als neue PresbyterInnen und als neuer Kurator haben wir natürlich jetzt die Chance, die Gemeinde unbedarft zu sehen und daraus neue Impulse zu entwickeln. Ich für meinen Teil habe das erste viertel Jahr meiner Amtszeit dazu genutzt, einmal hinter die Kulissen zu schauen und habe viel dabei gelernt. Auch sehe ich Gewohnheiten im Gemeindealltag durchaus kritisch, schätze aber viele Routineabläufe, die ohne mühsame Organisation einfach zuverlässig funktionieren.

Sehr beeindruckt hat mich die Kinder- und Jugendarbeit, wenn man sie sich einmal detailliert vor Augen führt: Ca. 25 freiwillige Helfer stellen ein kontinuierliches Programm an Kindergottesdiensten, Gruppentreffen, Freizeiten und Sportwettkämpfen mit einem relativ geringen Budget auf die Beine. Von den 16 regelmäßigen Gemeindeaktivitäten, die ich auf unserer Homepage zähle, sind allein die Hälfte für Kinder und Jugendliche. Wenn man nun hinzunimmt, dass wir zurzeit keinen bezahlten Jugendwart haben, ist das umso erstaunlicher. Dieses Niveau gilt es in den nächsten sechs Jahren zu halten und die Chancen stehen gut.

Gut funktionieren auch regelmäßige Angebote, die selbst auch bei bescheidenem Zuspruch weiter machen und für die Menschen da sind. So gibt es den Bibelkreis, den meditativen Tanz, das Singwochenende, den Nachtgottesdienst und die Lange Nacht der Kirchen. Unglaublich gut funktionieren in allen drei Standorten der Kirchenkaffee und in Eichgraben das Sommerfest und der Stand am Adventmarkt. Erfolgreich engagiert sich der Arbeitskreis für Kapelle und Gemeindesaal in Eichgraben, der nicht nur die Bauwerke sondern auch das Gemeindeleben in Eichgraben positiv prägt.
Erstaunlich ist für mich beim genauen Hinsehen auch die Arbeit unserer Gemeinde mit dem heiklen Thema des Kirchenbeitrags. Hier stehen häufig der Missionsgedanke gegen die finanzielle Überlebensnotwendigkeit unserer Gemeinde. Mit vielen Einzelgesprächen bekennt sich die Gemeinde zum mutigen aber fairen Dialog. Besonders Ira Kaufmann und Gerhard Wratschko sei hier gedankt.

Wo liegen aber die Ansatzpunkte für Veränderung? Eines meiner Herzensangelegenheiten ist der Umgang mit dem Älterwerden und dem Altsein in unserer Gemeinde. Gerade ein Presbyterium aus Neuen muss hier aufpassen, dass es Menschen nicht vergisst, denen das Alter Einschränkungen und evtl. auch Einsamkeit auferlegt hat. Einzelne aus unserer Gemeinde und auch unser Pfarrer Dietmar Kreuz leisten hier durchaus Einiges. Aber für eine umfassende Betreuung bedürftiger Menschen fehlt es zurzeit noch an einem schlüssigen Konzept.

Auch die Gebäude brauchen wieder mehr Zuwendung. Dies ist nicht ganz so neu, aber muss nach den letzten Jahren etwas wieder belebt werden. Neben Renovierungstätigkeiten in Eichgraben und Purkersdorf steht hier vor allem der Gemeindesaal in Pressbaum im Vordergrund. Mit den Gebäuden verbunden ist auch die Küster- und Gottesdienstarbeit. Hier muss sich altersbedingt eine verdiente Generation an treuen Helferinnen in Purkersdorf und Pressbaum zurückziehen. Pressbaum wäre ein Arbeitskreis nach Eichgrabener Vorbild zu wünschen.

Insgesamt also eine Menge an spannenden Aufgaben. Es sind zum großen Teil Dinge, die wenig Furore machen, aber die für ein Gemeindeleben einfach da sein müssen und ohne die die Sachen unrund laufen. Ich kann daher nur Jeden in der Gemeinde ermutigen, sich mit seinen individuellen Stärken in das Gemeindeleben einzubringen. Sei es, dass Menschen besucht, der Gottesdienst vorbereitet, ein Bastelnachmittag organisiert oder schlicht die Toiletten repariert werden müssen. Alles ist lebensnotwendig und passiert meist auch – eben ehrenamtlich. Wir im Presbyterium unterstützen Sie bestmöglich dabei und schaffen die Atmosphäre, die Sie brauchen, um sich dabei zu entfalten.

Ihr Martin Klonk