Führung am Zentralfriedhof

21. März 2015


Beim Rundgang an den Promi-Gräbern vorbei Was soll man schon an einem so strahlenden ersten Frühlingstag auf dem Friedhof? Wohl kaum den 3 Millionen Toten einen Besuch abstatten. Aber doch sind da so einige Menschen, derer man sich gerne erinnert. Warum hat man die sterblichen Resten Ida Pfeiffers extra aus der Stadt auf den Zentralfriedhof überführt bei seiner Einrichtung vor fas 150 Jahren? Lassen sich Japaner nicht für teures Geld extra auf dem Zentralfriedhof bestatten, um Beethoven, Brahms oder Strauss im Tode am nächsten zu sein? Schon erstaunlich, wie wichtig uns so ein Friedhof ist.

Birgitta Göbert hat sich bereit erklärt, als professionelle Fremdenführerin in Wien, auch uns in der Gemeinde in den Genuss einer fachkundigen Führung kommen zu lassen. Wir streiften Gräber berühmter Persönlichkeiten aus Wien (Komponisten, reiche Förderer, Politiker, Dichter, Künstler, ...). Es ist schon erstaunlich, welche Promis alle auf diesem Friedhof beieinander liegen.

Kuppel der Karl-Lueger-Gedächtniskirche Vor der Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche nutzten wir die Atmosphäre an diesem relativ warmen und sonnigen Nachmittag, um uns poetische Gedanken zur Schöpfung und auch zum Tod selbst zu machen. Christian Schwetz, Lebensgefährte Birgitta Göberts und passionierter Dichter (siehe seine Seite unter http://christian.schwetz.schreibwelten.at), las uns zur Schöpfung sein Gedicht "Am Anfang war das A". In der Kirche, ein Juwel der Jugendstil-Architektur, gab es dann für uns alle eine Überraschung: Beim Anstimmen von Taizé-Gesängen, wie Laudate omnis Gentes, hallte uns - wie ein Echo - ein mehrstimmiger Chor von den Wänden noch etwas nach. Unser Stimmen verfingen sich mehrstimmig in den Wänden und halten ebenso schön mehrstimmig zurück. Wäre in der Kirche nicht nicht die winterliche Kälte gespeichert gewesen, wir hätten kaum aus ihr weichen wollen.

So streiften wir noch die frischen Gräber von Barbara Prammer, Maria Lassnig und Udo Jürgens, die noch auf einen würdigen Grabstein warten. Ließen uns am Grab von Jandl über seine Sicht von Demokratie belehren. Um dann - nun doch müde geworden - im Schloss Concordia am Tor 1 in einer auf seine Weise maroden Atmosphäre stärken. An diesem Gartenrestaurant dürfte man wohl seit 100 Jahren kaum etwas geändert haben. So etwas vermittelt auch eine eigentümliche Symbiose von Ewigkeit und Vergänglichkeit zugleich.


demokratie

unsere Ansichten
gehen als Freunde auseinander

(Ernst Jandl)



Fotos von der Führung

Die Einladung zur Führung

Am Anfang war das A (Gedicht von Christian Schwetz)

Vogelmann (Gedicht von Christian Schwetz)